Autor: Birthe

Du machst alles neu

Du machst alles neu

Text und Bild von Birthe am 25. November 2022

Es gibt eine Sache, die ich an meinem Vater immer bewundert habe. Seit wir tiefere Gespräche führen, konnte ich wahrnehmen, wie sich immer wieder sein Denken verändert hat.

Mein Papa hat keine Angst, Dinge zu hinterfragen und kontroverse Thesen aufzustellen, um sie im Anschluss entweder zu festigen oder wieder über Bord zu schmeißen.

Ich glaube, ich habe ein Stück dieser Gabe von ihm geerbt und dafür bin ich dankbar.

Warum? Weil Gott diese Gabe schon so vielfältig genutzt hat, um mich immer wieder neu zu machen.

Auch jetzt befinde ich mich in einem Erneuerungsprozess. Seit wir wissen, dass unser Sohn eine Behinderung hat, schärft Gott meine Wahrnehmung in diesem Bereich. Ich sehe Barrieren, die ich vorher nicht erkannt habe. Ich nehme den Blick der Gesellschaft auf Menschen mit Behinderungen neu wahr und hinterfrage das gesellschaftliche und „christliche“ Bild von „normal“ „perfekt“ und „gesund“. Ich sehe fehlende Repräsentation, anhaltende Diskriminierung und ein verdrehtes, lückenhaftes Bild wertvoller Geschöpfe Gottes.

Und in all diesem Denken und Fragen, ist mein Schöpfer mir ganz nah. Er begleitet mich, lenkt mich, antwortet und ruft mich. So habe ich angefangen immer öfter Kinder mit Behinderungen zu illustrieren, damit sie gesehen werden. Und ich habe angefangen aufzuklären und sichtbar zu machen, welchen Herausforderungen wir als Familie gegenüberstehen und darüber, wie Menschen mit Behinderungen wahrgenommen werden und was man ändern kann.

Ich bin noch lange nicht am Ende dieses Veränderungsprozesses. Aber ich sehe die ersten Früchte meines Handelns und weiß, dass ich über diese Reise hinweg einen Gott kennenlernen werde, der noch größer ist, als ich bisher dachte.

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Erinnerungen sammeln

Erinnerungen sammeln

Text und Bild von Birthe am 07. Oktober 2022

Am Wochenende haben wir den vierten Geburtstag unseres Großen gefeiert. Er hatte seine liebsten Freunde eingeladen und wir haben mit Essen, Kuchen, Deko und Action dafür gesorgt, dass der Tag in Erinnerung bleibt. Alle waren gut gelaunt, hatten Spaß und sind am Ende des Tages satt und zufrieden nachhause gegangen.

Als die Tür zu war und ich anfing mich dem übriggebliebenem Chaos zu widmen fiel mir auf, dass ich eine Sache vergessen hatte. Meine Kamera. Sie lag gut geschützt an der Seite und wartete darauf jede Menge Erinnerungen mit mir festzuhalten und unvergesslich zu machen.

Wie oft geht es mir mit Gott so. Wie oft gestalte ich einen Tag und merke am Ende, dass ich ihn an der Seite hab stehen lassen. Er war da, als stiller Zuschauer, bereit meinem Tag Leben einzuhauchen; Bereit die einzelnen Momente mit seinem Geist zu füllen und sie haltbar zu machen. Haltbar, weil mein Herz diese Verbindungen mit Gott nicht hätte vergessen können. Wie kleine Bilder bleiben all diese gesammelten Verbindungsmomente mit Gott in mir verankert.

Und obwohl ich das weiß, vergesse ich doch immer wieder IHN an die Hand zu nehmen und mit IHM meine Tage zu malen.

Wenn es dir genauso geht, dann will ich dich heute ermutigen, Gott an die Hand zu nehmen. Nimm IHN mit in den kleinen Momenten, die du festhalten willst. Lass IHN mittendrin sein in deinem Leben und baue dir ein Herz aus Erinnerungen an die schönsten Momente, die du mit IHM geteilt hast.

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Art Project

Art Project

Text und Bild von Birthe am 19. August 2022

Ich habe letzte Woche unser Schlafzimmer umgestellt, weil mir der Blick auf unser Schreibtischfront zu unromantisch war. Die Arbeitsbereiche verschwanden hinter einer Regalecke und es war endlich Platz für diesen einen großen Spiegel. Dieser Spiegel hat eine Geschichte. Eine besondere Geschichte.

Kurz nach einer harten Trennung fiel ich in eine Krise. Ich fühlte mich von Gott verraten und stellte ihn und meinen Wert infrage. In dieser Zeit fragte ich mich und andere oft: „Was stimmt nicht mit mir? Wer bin ich eigentlich?“ Die häufigste Antwort, die ich auf diese Frage bekam, war: „Birthe, mit dir ist doch alles super, du bist eine tolle, hübsche Frau.“

Natürlich hatten sie damit nicht ganz Unrecht und trotzdem befriedigten diese Worte mich nicht. Und dann war da dieser eine Tag und diese zwei Herzensmenschen. Mit der einen Freundin ging ich spazieren, als der andere Freund mir endlich die Antwort gab, die ich so sehr brauchte.

„Birthe, du bist einer der tollsten Menschen in meinem Leben und ich will dich nicht missen, doch du versteckst einen Teil von dir. Du versteckst die Frau in dir, deine Weiblichkeit.“ Die Worte taten weh und gleichzeitig waren sie so wunderbar ehrlich und heilsam.

Und mein Himmelspapa? Er war da. In genau diesem Moment. Er hatte ihn geplant. Die ersehnte, schmerzhafte Antwort des einen Herzensmenschen und die Herzensfreundin, die diese Worte auffing und in Hoffnung umwandelte: „Alles klar, Birthe, das hat weh getan. Aber hey, wir finden die Frau in dir zusammen und bringen sie zum Vorschein.“

Und Gott hielt sein Wort. Zusammen mit seinen zwei Superhelfern und noch vielen weiteren wunderbaren Menschen, ließ er mich erkennen, was für ein wunderbares Kunstwerk ich bin und wie viel weibliche Schönheit er in mich hineingelegt hat. Ich fing an all diesen Wert aufzuschreiben. Nicht auf Papier, sondern auf den Rahmen des Spiegels. Und Gottes Kunstwerk ist nicht fertig. Immer wieder entdecke ich neue Facetten an mir und darf sie dazuschreiben.

Ich bin ein Kunstprojekt des größten Künstlers! Und du?

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Lichter in der Dunkelheit

Lichter in der Dunkelheit

Text und Bild von Birthe am 01. Juli 2022

Anfang der Woche habe ich mich mit einigen Freunden aus meiner Gemeinde getroffen. Im Verlauf des Abends haben wir über unsere Erfahrungen mit unserer Stadt gesprochen. Jeder von uns teilte ähnliche Erlebnisse. Ähnliche Erlebnisse wie ich. Wie ich, die nach ihrem Umzug hierher in ein Loch fiel. Anfangs habe ich es als Heimweh abgetan. Aber es war mehr. Ich fühlte mich entmutigt, klein, schwach und depressiv. Als ich die Stadt dann für längere Zeit verließ, um in meiner alten Heimat Urlaub zu machen, passierte etwas Erstaunliches. Der ganze gesammelte Ballast viel mit einem Mal von mir ab. Heute ist mir, wie auch meinen Gemeindefreunden klar: Diese Stadt ist gekleidet in eine dunkle Atmosphäre. Hier ist es Nacht, egal ob es hell ist oder dunkel. Und wenn man nicht aufpasst, verliert man sich in dieser Dunkelheit. Deshalb habe ich mir ein Gebet zugelegt, dass mich daran erinnert, dass das Licht der Welt selbst in der finstersten Dunkelheit alles erleuchten kann.

Hier bin ich. Schließe die Augen vor der Dunkelheit und lass sie dunkel sein.

Hier bin ich. Halte meine Hände auf in der Hoffnung, dass du mein Gott sie greifst.

Hier bin ich. Atme den Duft deines Geistes ein.

Hier bin ich. Spüre den Hauch deiner Kraft um mich herum.

Hier bin ich. Ich bin. Bin eins mit dir um mich, in mir und überall.

Ich bin dein Kind, gemacht in Liebe als Ebenbild deiner unfassbaren Herrlichkeit.

Und wenn ich die Augen öffne, ist die Dunkelheit zwar noch Dunkelheit,

und doch hat sie ihre dunkle Macht verloren, denn du, mein Licht, fliegst auf mich zu.

Bereit mich zu erhellen.

Bereit mir die ganzen wunderschönen hellen Sterne in meinem Leben zu zeigen.

Und gemeinsam erhellen wir die Nacht. DU, Ich und die ganzen Leuchtmomente. 

  

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